Notizen und Gedanken zur Einheit am 19.10.2006

Blogsphere – Vernetzte Spielwiese?

Eine neue, kreativere Betrachtungsform des WorldWideWeb scheint die Idee der vernetzten Spielwiese unzähliger User, die vor allem im universitären oder allgemeiner im Bildungsbereich, die Möglichkeit bietet, vom Alltag der Staublunge in Archiven und immer höher wachsenden Bücherstapeln abzuweichen. Durch neue Methoden und Verfahren wächst das Angebot an “Bildung im Net“ einhergehend mit dem Drang diese durch entdeckerisches, „eroberisches“ Lernen zu erwerben, statt durch das monotone Blättern in Büchern.

Das narrative Element der Blogs kommt uns hier entgegen. Die Erzählung, die in ihrer mündlichen Form so alt ist wie die Menschheit selbst, ermöglicht ein kreatives Aufarbeiten und Herangehen an vielleicht auf den ersten Blick trocken erscheinende Materie.

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Jostein Gaarder - Feed Your Imagination

http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/06_literaturfestival/ilb_06_programm/ilb_06_ges_programm/ilb_06_ProgrammlisteDetailSeite_4909.php

http://www.juergen.gisselbrecht.de/?p=135

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Das Referenzieren anderer Blogs lässt – gerade im wissenschaftlichen Bereich – eine Annäherung an einen Diskurs entstehen.

Die neuen Medien in der Geschichtswissenschaft

Die Geschichtswissenschaft ist in ihrer Organisationsform ein System der Institutionen, welches eine Ordnung der in ihr bestehenden Kommunikation vornimmt. Die Universität kann also ebenfalls als ein Kommunikationssystem betrachtet werden. Obwohl sich bereits vieles im Wandel befindet, ist die Universität wie wir sie kennen noch beinahe ident mit ihrem Modell aus dem neunzehnten Jahrhundert.

Im achtzehnten Jahrhundert „verinstitutionalisierten“ sich die Wissenschaften zunehmend. Viele Studienrichtungen – so auch die Geschichte – emanzipierten sich erst jetzt von den allmächtig scheinenden Urfakultäten der Philosophie oder Theologie. Der Ausbau dieser Studienzweige erfolgte weitgehend im neunzehnten Jahrhundert. Professuren für Geschichte wurden vergeben, sowie historische Seminare eingerichtet. Eine Verlagerung der Geschichtswissenschaft aus dem Privaten an die Universitäten und damit eine etwas breitere Öffentlichkeit fand statt. Gleichzeitig erfuhr die Geschichtswissenschaft eine Neuordnung, die ebenfalls eine Hierarchisierung mit sich brachte. Eine klare Trennlinie zur „Laienwissenschaft“ wurde gezogen.

Der Hauptbestandteil der geschichtswissenschaftlichen Kommunikation waren nun der universitäre Diskurs und seine Leitfiguren. Diese unterhielten den Diskurs vor allem mit persönlichen Kontakten und durch die Veröffentlichung von Büchern. Die Monographie rückte in den Mittelpunkt der Kommunikationswege. Weitere Berührungspunkte waren der öffentliche Vortrag, der sein Publikum auch im Bildungsbürgertum fand sowie historische Zeitschriften, deren erste Gründungswelle ins neunzehnte Jahrhundert fällt.

Mehr und mehr gewann so die Geschichtswissenschaft auch in einer breiteren Öffentlichkeit die Stellung einer „Leitwissenschaft“, da sie sozusagen im Stande war, den Menschen die Welt zu erklären.

Bis nach dem zweiten Weltkrieg blieb dieses System völlig unverändert bestehen. Lange gab es keinerlei spezielle studentische Lehrbücher oder ähnliches, nur Methodenlehren wurden veröffentlicht. Dafür nahm die mündliche Kommunikation unter den Professoren zu, was sich vor allem in der immer häufigeren Publikation von Sammelbänden wissenschaftlicher Tagungen oder Kongressen widerspiegelt.

„When April with its sweet showers has pierced the
drought of March to the root, and bathed every vein of
earth with that liquid by whose power the flowers are
engendered; when the zephyr, too, with its dulcet breath,
has breathed life into the tender new shoots in every copse
and on every heath, and the young sun has run half his
course in the sign of the Ram, and the little birds that sleep
all night with their eyes open give song (so Nature prompts
them in their hearts), then, as the poet Geoffrey Chaucer
observed many years ago, folk long to go on pilgrimages.

Only, these days, professional people call them conferences.”

Lodge David, Small World, An Academic Romance, Penguin Books, London 1985, Prologue.


Diese bestehende Lücke in der Kommunikation „nach außen“ schloss nach dem zweiten Weltkrieg zunehmend der Wissenschaftsjournalismus. Er kommunizierte auch für Laien verständlich neueste Forschungsergebnisse und Entwicklungen und erreichte so eine deutliche soziale Verbreiterung dieses Wissens, rüttelte aber auch an der alteingesessenen, elitären Struktur der Universitäten.

Ebenfalls eine Entwicklung der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg war die zunehmende Kurzlebigkeit der Forschung. (Warum sollte es auch der Forschung besser ergehen, als dem Rest der Menschheit?) Dies spiegelte sich auch in den verwendeten Medien wieder – auch wenn diese noch hauptsächlich gedruckter Form waren. Vom langen, ausschweifend erzählenden, literarischen Stil des neunzehnten Jahrhunderts erfolgte der Wechsel zum kurz, prägnanten, „wissenschaftlichen“ Schreibstil der Gegenwart. Die Menge des Veröffentlichten und Gedruckten vervielfachte sich, die „Massenuniversität“ gilt heute noch als Phänomen der Nachkriegszeit. Auch die Mobilität nahm schlagartig zu, durch Austausch und Wissenstransfer brach man die alte Gebundenheit an einen Ort auf. Diese Änderung der Kommunikationsmethoden kann als Wegbereiter der elektronischen Kommunikation und ihrer zahlreichen Medien gesehen werden.

Ab den achtziger Jahren wurde immer wieder der Versuch unternommen, elektronische Medien in die Geschichtswissenschaft einzubinden. Am Anfang standen vor allem Versuche, Quellen am Computer aufzubereiten, also etwa Texte zu digitalisieren. Dies führte nicht nur zu einer Ökonomisierung der Arbeitsweise in der Wissenschaft sondern auch zu einer Änderung der Paradigmen in der Geschichtswissenschaft. Es war nun möglich auch serielle Betrachtungen durchzuführen und mehrere Quellen nebeneinander zu stellen. Die „elektronische Revolution“ bedingte sich also aus der Wechselwirkung zwischen neuer Technik und neuen Interessen.

1995 gelangte diese Revolution mit der „Erfindung“ des WWW in eine neue Phase. Plötzlich waren Inhalte aller Art jedem zugänglich, und der Austausch von Nachrichten über E-Mail in sekundenschnelle möglich. Es stand das „klassische System“ der Wissenschaft gegen die neuen Medien. Heute sind diese beiden weitgehend eine Symbiose eingegangen, ein gutes Beispiel bietet dabei der virtuelle Nachschlagekatalog der Universitätsbibliothek. Natürlich weist diese Zusammenarbeit stellenweise noch Lücken auf.

Durch diese Beschleunigung des gesamten wissenschaftlichen Prozesses, zum Beispiel neu erschienene Werke und deren Rezension betreffend, wurde die „Halbwertszeit“ dieser neuen Ergebnisse verkürzt, bereits nach wenigen Jahren können Forschungsergebnisse schon wieder überholt sein – auch weil immer mehr Menschen in der Wissenschaft tätig sind.

Eine schwierigere Aufgabe ist die versuchte Verlagerung der Geschichtsschreibung ins Netz. Zunächst begnügte man sich mit rascher Informationsrecherche, dann beschäftigte jedoch die medienadäquate Darstellung geschichtliche Inhalte die Forscher. Dazu ist eine Portionierung bzw. Granulierung der Texte und Inhalte vonnöten. Diese Textgranulate werden dann durch einen Hypertext vernetzt. Durch diese beliebige Portionierung von Texten wird die Macht des Autors gebrochen und durch die elektronischen Medien stirbt er einen erneuten Tod.

Zum ersten Tod des Autors:

http://iasl.uni-muenchen.de/discuss/lisforen/autor-inhalt.html

Die zunehmende „Demokratisierung des Wissens“, also eine leichtere Zugänglichkeit für alle Interessierten, zerstört mehr und mehr den elitären „Elfenbeinturm“ der Wissenschaft. Auch lässt sich nun die Verbreitung des Wissens nicht mehr kontrollieren. Durch nach allen Seiten offene Kommunikationswege kann das produzierte Wissen auch in seiner – vielleicht andersartigen – Verwendung nicht mehr verfolgt werden. Hier stellt sich auch die Frage nach der Zuverlässigkeit des verbreiteten Wissens und seines eventuellen Missbrauchs.

In der „Remediation“ überschneiden sich Elemente von gedruckten und elektronischen Medien. Dies äußert sich zum Beispiel in der Entfernung vom klassischen Buch- oder Zeitungslayout. Die elektronischen Medien in ihren Elementen und Bedingungen üben also eine Art „Rückwirkung“ auf die klassischen Medien aus. Auch die Kurzlebigkeit kann als eine Art der Remediation gesehen werden.

Wir befinden uns wahrscheinlich in einer symbiotischen Übergangsphase der Wissenschaft, die auch neue Herausforderungen an alle im Wissenschaftsbetrieb Verankerten stellt und von uns eine Reihe von neu gemischten, doppelten Kompetenzen verlangt.
Barbara Wakolbinger - 20. Okt, 14:52

Zeilenumbruch

Ideen zum Zeilenumbruch ohne Verlust der Anklickbarkeit des Links bitte hierher. Danke. ;)

tanja jenni - 20. Okt, 15:16

zeilenumbruch http

hi! wenn du den link per editor einfügst, kannst du in den Platz vor dem /a hineinschreiben, wie du den link nennen willst - nur das erscheint dann und nicht die ganze lange http://xxxx adresse.
Barbara Wakolbinger - 23. Okt, 11:13

Link

Hmm, sobald ich es mit dem Editor versuche bekomme ich gar keinen Link mehr, egal ob mit Titel oder einfach so - da bleibt nur weiße Fläche...trotzdem danke.

Schmale (anonym) - 26. Okt, 17:55

Ihr Eintrag 19.10

Sie haben den Kern meiner "Erzählung" am 19.10. sehr gut wiedergegeben. Der Schreibstil gefällt mir sehr - Sie haben schnell einen guten Blog-Stil gefunden - oder sind schon geübt. Im Sinne der Wissenschaftlichkeit sollten Sie angeben, dass Sie sich mit dem Eintrag auf eine bestimmte Themensitzung des Kurses beziehen.
Sehr gut sind Ihre weiterführenden "Zutaten" (Texte und Links).
WS

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